Update: Ver­kehrs­in­for­ma­tio­nen für den Rad­ver­kehr

Diese Infor­ma­ti­on sahen Auto­fah­rer heute, die über die B83 nach Hameln gefah­ren sind.

Es ist jetzt ziem­lich genau einen Monat her, dass ich die Stadt­wer­ke Hameln gefragt habe, ob man die Ver­kehrs­in­for­ma­ti­ons­sys­te­me am Orts­ein­gang nicht für Sicher­heits­hin­wei­se mit Bezug auf den Rad­ver­kehr nutzen könne.

Nach sehr kurzer Zeit habe ich tat­säch­lich die posi­ti­ve Ant­wort erhal­ten, dass man diese Anre­gung gerne auf­grei­fen und die Anzei­ge­ta­feln ab März ent­spre­chend schal­ten würde.

Hin und wieder habe ich mal vor Ort nach­ge­schaut, und heute habe ich zum ersten Mal einen der vor­ge­schla­ge­nen Texte live und in Farbe an der B83 / Fisch­be­cker Land­stra­ße gese­hen.

Daher kann ich hier nun das Ergeb­nis prä­sen­tie­ren und möchte mich auch an dieser Stelle noch mal ganz herz­lich bei den Hamel­ner Stadt­wer­ken für die unbü­ro­kra­ti­sche Umset­zung bedan­ken!

DeWe­Zet-Arti­kel vom 24.02.2018

In der Sams­tags­aus­ga­be der DeWe­Zet vom 24.02.2018 erschien ein län­ge­rer Arti­kel über mein Amt als Fahr­rad­be­auf­trag­ter, zu dem ich hier gerne noch ein paar Anmer­kun­gen und Ergän­zun­gen machen möchte.

Eine Zei­tungs­sei­te ist nur begrenzt groß, so dass einige Aus­sa­gen ver­ständ­li­cher­wei­se gekürzt werden muss­ten. Hier habe ich den Platz, dazu noch etwas mehr aus­zu­füh­ren.

Grund­sätz­lich passt das schon alles so, wie ich dort zitiert werde, aber viel­leicht hilft die eine oder andere Hin­ter­grund­in­for­ma­ti­on doch noch zur Ein­ord­nung.

Also, los geht’s:

 

»Nur 22 Pro­zent der Fahr­ten sind über 5 Kilo­me­ter« […] »78 Pro­zent sind nicht nötig«

Das habe ich zwar im Gespräch bestimmt irgend­wie so gesagt, aber die Aus­sa­ge ist etwas ver­ein­facht und bedarf einer Erklä­rung. (Außer­dem: Ich spre­che auch nicht immer druck­reif.)

Diese Zahlen habe ich mir natür­lich nicht aus­ge­dacht, son­dern sie lassen sich auch auf der Web­sei­te der Stadt Hameln wie­der­fin­den. Im Doku­ment »Rah­men­pla­nung Ver­kehr Tras­sen­va­ri­an­ten« (hier zu finden) ist auf Seite 7 der Null­fall 2012 des Kfz-Ver­kehrs abge­bil­det.

Beson­ders erhel­lend ist dabei diese Tabel­le:

Inter­es­sant sind hier die letz­ten beiden Spal­ten. Der Bin­nen­ver­kehr (Start und Ziel liegen in Hameln) legt im Schnitt 1,8 km zurück, das ist in der Tat erschre­ckend wenig, um dafür extra das Auto anzu­las­sen. Der Ziel-/Quell­ver­kehr, wenn also ent­we­der Ziel oder Start in Hameln liegen, fährt im Schnitt 4,6 Kilo­me­ter Stre­cke. Beide zusam­men haben damit einen Anteil an den Gesamt­ki­lo­me­tern von 78%. Das ist etwas ande­res als »78% der Fahr­ten«.

Klar ist jedoch: Der größte Teil des Kfz-Ver­kehrs ist ver­meid­bar, weil selbst untrai­nier­te Radler 5 Kilo­me­ter mit dem Fahr­rad in der Regel in 20 Minu­ten absol­vie­ren können (und 1,8 Kilo­me­ter erst recht).

Das heißt selbst­ver­ständ­lich jedoch nicht, dass jede Auto­fahrt unter einer bestimm­ten Stre­cken­län­ge unsin­nig ist. Es gibt Men­schen, die aus gesund­heit­li­chen Grün­den auf das Auto ange­wie­sen sind, und dass bei hef­ti­gem Regen nicht jeder Lust hat, aufs Rad zu stei­gen, ver­ste­he ich auch.

Mir geht es jedoch darum, dass man sich viel­leicht mal fragt, ob es wirk­lich nötig ist, die 2 km zur Schule, zum Wochen­markt oder zum Beklei­dungs­ge­schäft in der Innen­stadt wirk­lich mit dem Auto zurück­le­gen zu müssen. Und wenn durch diese Über­le­gung zumin­dest die 25% mit einer durch­schnitt­li­chen Stre­cke von 1,8 km ein­ge­spart werden könn­ten, wäre das ja schon mal was.

 

»dass Auto­fah­rer einen Meter Abstand halten müssen beim Über­ho­len«

Das war bestimmt ein Miss­ver­ständ­nis, aber das kann ja pas­sie­ren.

Oft genug wäre man als Rad­fah­rer zwar froh, wenn Auto­fah­rer wenigs­tens einen Meter Abstand beim Über­ho­len hiel­ten, aber erklärt habe ich, dass ich in der Scharn­horst­stra­ße als Rad­fah­rer einen Meter Abstand zu den wei­ter­hin dort par­ken­den Autos halten muss, weil sich dort jeder­zeit Türen öffnen können.

Damit fahre ich bereits fast in der Fahr­bahn­mit­te.

Wer mit dem Auto aber einen Rad­fah­rer über­ho­len will, muss 1,50 Meter Abstand halten (wenn Kinder hin­ten­drauf sitzen sogar zwei Meter). Das ist bei der Breite der Scharn­horst­stra­ße aber nicht mög­lich.

Soll heißen: Ein Rad­fah­rer, der dort vor­schrifts­mä­ßig fährt, ist von einem Auto nicht in gebüh­ren­dem Abstand zu über­ho­len, also muss sich der Auto­fah­rer gedul­den.

Das müsste er auch ohne Fahr­rad­stra­ße, aber der Umstand, dass dort Kraft­fahr­zeu­ge nur »zu Gast« sind, hilft hof­fent­lich, dass man als Rad­fah­rer dort etwas unbe­hel­lig­ter bleibt (als zum Bei­spiel in der Deis­ter­stra­ße, wo man regel­mä­ßig ange­hupt oder stadt­aus­wärts ille­gal über zwei durch­ge­zo­ge­ne Linien hinweg über­holt wird).

 

»wünscht er sich […] dass der alte Bahn­damm vom Guten Ort in Rich­tung Weser ein Radweg wird«

Das wün­sche ich mir zwar auch, es sei aber der Voll­stän­dig­keit halber erwähnt, dass das nicht meine Idee ist, son­dern ein Vor­schlag, den mir ein Hamel­ner Bürger gleich als einer der ersten tele­fo­nisch über­mit­tel­te, und den er - wie er mir am Tele­fon berich­te­te - auch bereits in der Ver­gan­gen­heit schon einmal an ande­rer Stelle ange­spro­chen hatte.

Es geht dabei um einen Bahn­damm nörd­lich der Ruthen­stra­ße, der am Gaso­me­ter ent­lang­läuft und auf die alte Eisen­bahn­brü­cke trifft.

Wie rea­lis­tisch es ist, dass diese unge­nutz­te Bahn­stre­cke zu einem Radweg umge­wid­met werden kann, vermag ich nicht zu sagen, aber ich halte das trotz­dem für einen span­nen­den und inter­es­san­ten Vor­schlag.

 

»Einen Helm trägt er nur, wenn […] die Stra­ßen­ver­hält­nis­se schlecht sind oder er vorhat, eine steile Abfahrt zu nehmen.«

Das klingt fast so, als hätte ich immer einen Fahr­rad­helm in der Tasche, den ich auf­set­ze, wenn ich am Hori­zont ein Schlag­loch sehe oder mich ent­schlie­ße, jetzt doch diesen einen Berg hin­un­ter­zu­fah­ren.

So ist es natür­lich nicht.

Einen Helm trage ich auf dem Fahr­rad eigent­lich nur beim Sport, was bei mir mehr oder weni­ger gleich­be­deu­tend ist mit: »Wenn ich das Renn­rad benut­ze.«

Im Alltag trage ich übli­cher­wei­se keinen Helm. Nicht nur, weil ich ihn lästig finde, son­dern weil ich über­zeugt bin, dass man mit einer Fahr­rad­in­fra­struk­tur, die auch Fehler ver­zeiht, wesent­lich besser zur Sicher­heit von Rad­fah­ren­den bei­tra­gen kann, als mit einem Fahr­rad­helm.

Aber das ist ein so großes Thema, dass ich das zu einem spä­te­ren Zeit­punkt aus­füh­ren werde.

Wer sich mit Helm siche­rer fühlt, soll gerne einen tragen. Und Kin­dern sowie Fahr­rad­an­fän­gern würde ich eben­falls das Tragen eines Helmes emp­feh­len.

Ver­kehrs­in­for­ma­tio­nen für Rad­ver­kehr nutzen

Der­zei­ti­ge Anzei­ge

Wer schon mal mit dem Auto auf einer der Bun­des­stra­ßen B1, B83 oder B217 nach Hameln hinein gefah­ren ist, dem sind sicher irgend­wann die digi­ta­len Ver­kehrs­in­for­ma­ti­ons­sys­te­me auf­ge­fal­len, die am Orts­ein­gang am Stra­ßen­rand stehen und die gelb auf schwarz hin und wieder Ver­an­stal­tun­gen bewer­ben oder oft ein­fach nur »Fair im Ver­kehr« oder ähn­li­che Stan­dard­tex­te anzei­gen.

Bei­spiel aus Berlin (Foto: VIZ Berlin)

Heute auf Twit­ter habe ich gese­hen, dass die Ver­kehrs­in­for­ma­ti­ons­zen­tra­le Berlin eine meiner Mei­nung nach sehr gute Idee spon­tan umge­setzt hat:

Sie nutzt die Info­sys­te­me unter ande­rem, um Auto­fah­rer vor typi­schen Feh­lern im Umgang mit Rad­fah­ren­den zu bewah­ren, indem sie auf kor­rek­tes Ver­hal­ten hin­weist, z.B. beim Über­ho­len 1,5m Abstand zu halten, auf­merk­sam beim Öffnen von Auto­tü­ren zu sein und beim Abbie­gen den Schul­ter­blick nicht zu ver­ges­sen.

Die Ber­li­ner Sys­te­me schei­nen etwas brei­ter zu sein und eine höhere Auf­lö­sung zu haben, ich habe daher ein­fach mal die Texte ent­spre­chend ange­passt, damit sie auf den Hamel­ner Sys­te­men ange­zeigt werden können.

Eigene Vor­schlä­ge

Den Vor­schlag habe ich vorhin an die Stadt­wer­ke Hameln geschickt und bin gespannt, ob sich so etwas hier auch umset­zen lässt, der Auf­wand dürfte ja eigent­lich über­schau­bar sein.

Bei­spiel aus Berlin (Foto: VIZ Berlin)

Gerade erst war in der Presse zu lesen, dass ein Schü­ler auf der Grö­nin­ger Straße von einer sich öff­nen­den Auto­tür erfasst wurde und ins Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert werden musste.

Wenn sich solche gefähr­li­chen Situa­tio­nen mit wenig Auf­wand ver­mei­den ließen, indem man Auto­fah­re­rIn­nen an eigent­lich selbst­ver­ständ­li­che Regeln erin­nert, die in jeder Füh­rer­schein­prü­fung abge­fragt werden, wäre das meines Erach­tens eine sinn­vol­le Nut­zung der Ver­kehrs­in­for­ma­ti­ons­sys­te­me, ins­be­son­de­re wenn auf diesen ohne­hin gerade keine Ver­an­stal­tung bewor­ben wird.

 

»Ich ent­las­te Städte«

Foto: DLR

Das Deut­sche Luft- und Raum­fahrt­zen­trum, das sich - anders als der Name ver­mu­ten lässt - unter ande­rem auch mit For­schun­gen zu urba­ner Mobi­li­tät beschäf­tigt, ist auf der Suche nach Unter­neh­men und öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen, die übli­cher­wei­se mit dem Kfz inner­halb der Stadt unter­wegs sind und gerne mal für drei Monate die Vor­tei­le eines Las­ten­ra­des aus­pro­bie­ren wollen.

Ob Schorn­stein­fe­ger oder Sani­täts­haus, ob Apo­the­ke oder Hand­wer­ke­rin: Viele Fahr­ten zu Kunden und Geschäfts­part­nern ließen sich eben­so­gut mit dem Rad erle­di­gen, und man spart dabei oft­mals nicht nur Zeit und Nerven (für die Park­platz­su­che), son­dern auch Betriebs­kos­ten, för­dert die Gesund­heit der Mit­ar­bei­te­rIn­nen und schont die Umwelt.

Die Aktion heißt »Ich ent­las­te Städte« und funk­tio­niert so:

  • Inter­es­sier­te Unter­neh­men können sich online bewer­ben.
  • Das DLR wählt je nach Ver­füg­bar­keit der Las­ten­rä­der geeig­ne­te Bewer­ber aus.
  • Der Ver­trag wird einem Ser­vice­part­ner wird geschlos­sen, und
  • das jeweils geeig­ne­te Las­ten­rad wird nach einer Ein­wei­sung über­ge­ben.

 

Um die wis­sen­schaft­li­che Aus­wer­tung zu ermög­li­chen, ver­pflich­ten sich die Teil­neh­mer dazu, ent­spre­chen­de Fra­ge­bö­gen zu beant­wor­ten, die Erfah­run­gen in einem kurzen Gespräch zu schil­dern und eine spe­zi­el­le App zu ver­wen­den.

Es stehen der­zeit 17 ver­schie­de­ne Model­le in unter­schied­lichs­ten Bau­for­men zur Ver­fü­gung, so dass für jeden Inter­es­sen­ten das pas­sen­de Rad zur Ver­fü­gung gestellt werden kann. Wer sich die Räder anschau­en und auch direkt eine Pro­be­fahrt machen möchte, hat dazu am Don­ners­tag dem 1. März 2018 auf der Road­show in Han­no­ver die Gele­gen­heit.

Foto: DLR

Mit etwas Glück und einer recht­zei­ti­gen Bewer­bung besteht sogar die Mög­lich­keit, das Tes­t­rad von der Road­show direkt mit­zu­neh­men.

Wer geeig­ne­te Unter­neh­me­rIn­nen kennt und ihnen von der Aktion berich­ten möchte, bekommt hier eine über­sicht­li­che Zusam­men­fas­sung des ganzen Pro­jek­tes in diesem PDF-Doku­ment zum Down­load.

Das BYPAD-Ver­fah­ren

Frage 3 von 30

Die Stadt Hameln nimmt erneut am Audit zum BYPAD-Ver­fah­ren teil.

»BYPAD« steht für »Bicy­cle Policy Audit«, zu deutsch etwa »Bewer­tung der Rad­ver­kehrs­po­li­tik«.

Hier liegt der Fokus jedoch weni­ger auf kon­kre­ten Maß­nah­men, son­dern es geht eher darum, eine Ein­schät­zung zu bekom­men, wie ziel­ge­rich­tet und mit wel­cher Effi­zi­enz auf kom­mu­na­ler Ebene (also im Rat­haus) Rad­ver­kehrs­po­li­tik betrie­ben wird.

Diese Ein­schät­zung wird anhand eines Fra­ge­bo­gens vor­ge­nom­men, der ins­ge­samt 30 Fragen umfasst und der von ver­schie­de­nen Betei­lig­ten aus­ge­füllt wird. Zur Beant­wor­tung der Fragen sind ca. 2 Stun­den ver­an­schlagt, und das ist wahr­lich nicht zu hoch gegrif­fen, denn die Fragen sind zum Teil sehr schwer zu beant­wor­ten.

Die ein­fa­che­ren Fragen sind noch die­je­ni­gen, die sich auf Maß­nah­men bezie­hen, die auch von Außen­ste­hen­den wahr­ge­nom­men werden können.

Zum Bei­spiel: Gibt es an wich­ti­gen Hal­te­stel­len Fahr­rad­ab­stell­mög­lich­kei­ten? Ein­fa­che Ant­wort: Ja, gibt es. So weit, so gut.

Aber: Folgt die Plat­zie­rung einem bestimm­ten Kon­zept? ¯\_(ツ)_/¯

Beson­ders schwie­rig sind die Fragen, die sich auf ver­wal­tungs­in­ter­ne Vor­gän­ge bezie­hen: In wel­chem Umfang unter­hal­ten sich die Abtei­lun­gen inner­halb der Ver­wal­tung unter­ein­an­der über Rad­ver­kehrs­po­li­tik? Ist der Rad­ver­kehr Thema bei inter­kom­mu­na­len Zusam­men­künf­ten? Nehmen Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter an kon­kre­ten Fort­bil­dungs­maß­nah­men teil? Welche Len­kungs­gre­mi­en / Arbeits­grup­pen gibt es?

Da kann man als Außen­ste­hen­der manch­mal nur mut­ma­ßen. Es wurden zwar bereits viele Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Fahr­rad­in­fra­struk­tur umge­setzt, aber ob das mit einer kon­kre­ten und klar defi­nier­ten Ziel­set­zung erfolgt ist, kann ich der­zeit nicht beant­wor­ten.

Ich werde die Fragen daher mit Sicher­heit noch ein paar Mal durch­ge­hen müssen, um zu eini­ger­ma­ßen objek­ti­ven Ant­wor­ten zu gelan­gen und vor allem auch den einen oder ande­ren Kom­men­tar und Ver­bes­se­rungs­vor­schlag zu for­mu­lie­ren. Da an der Befra­gung aber auch u.a. Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter teil­neh­men, bin ich gespannt, zu wel­chen Ein­schät­zun­gen die ande­ren Betei­lig­ten kommen.

Grund­sätz­lich ist aber schon allein die Teil­nah­me der Stadt am BYPAD-Ver­fah­ren zu begrü­ßen. Denn nur, wer bereit ist, seine Schwach­stel­len zu benen­nen, zeigt glaub­wür­di­ges Inter­es­se an deren Besei­ti­gung.

Bitte frei­ma­chen

Was man leider manch­mal auch machen muss: An Bei­fah­rer­schei­ben von Strei­fen­wa­gen klop­fen und die Kol­le­gIn­nen der Poli­zei Hameln darauf hin­wei­sen, dass sie gerade den Fahr­rad­weg blo­ckie­ren.

Ich wollte der Strei­fen­wa­gen­be­sat­zung heute Morgen am Müns­ter­wall gern eine Karte der Aktion »Bitte frei­ma­chen« ins Auto rei­chen, aber davon hatte ich keine mehr, die waren bereits nach weni­gen Wochen ver­braucht. So blieb es bei einer münd­li­chen Ver­war­nung Ermah­nung, und das eigent­lich obli­ga­to­ri­sche Buß­geld von 20 Euro wurde auch nicht erho­ben.

Poli­zis­ten sind auch nur Men­schen und machen Fehler wie wir alle. Des­halb darf man sie auch durch­aus mal darauf hin­wei­sen, dazu muss man kein Fahr­rad­be­auf­trag­ter sein. Man sollte dabei aller­dings über ein stra­ßen­ver­kehrs­taug­li­ches Fahr­rad ver­fü­gen. Aber das sollte man ja ohne­hin.

Flyer der AGFK Bayern: »Mit­ein­an­der im Ver­kehr«

Flyer der AGFK Bayern

Die Arbeits­ge­mein­schaft fahr­rad­freund­li­che Kom­mu­nen in Bayern e.V. (oder kurz: »AGFK Bayern«) hat einen aus­ge­spro­chen nütz­li­chen Flyer namens »Mit­ein­an­der im Ver­kehr« ver­öf­fent­licht.

Darin wird in aller Kürze auf wich­ti­ge - und viel­leicht noch gar nicht jedem bekann­te - Regeln für Rad­fah­rer hin­ge­wie­sen und dazu auf­ge­ru­fen, ab und zu die Per­spek­ti­ve zu wech­seln. Der Flyer ist meines Erach­tens sehr gelun­gen und wird hier­mit von mir aus­drück­lich emp­foh­len.

Den Flyer gibt es per Klick auf die Grafik oder hier per Direkt­link zur PDF-Datei.

Der Voll­stän­dig­keit halber sei auch noch mal auf einen ähn­li­chen Flyer der Stadt Hameln hin­ge­wie­sen, der nicht ganz so umfas­send ist, aber auch bereits im März 2015 ver­öf­fent­licht wurde - als es in Hameln zum Bei­spiel noch keine Fahr­rad­stra­ßen gab.

Die ersten Tage

Kurz nach­dem die Pres­se­mit­tei­lung ver­öf­fent­licht wurde, dass Hameln jetzt einen Fahr­rad­be­auf­trag­ten hat, gingen auch schon die ersten Glück- und Erfolgs­wün­sche ein, über die ich mich sehr gefreut habe. Auch an dieser Stelle noch­mal herz­li­chen Dank dafür.

Noch bemer­kens­wer­ter fand ich aller­dings, dass noch am selben Tag erste E-Mails und Anrufe von Bür­ge­rin­nen und Bür­gern ein­tra­fen, die etwas zum Thema »Rad­fah­ren in Hameln« auf dem Herzen hatten. Das ging von eher all­ge­mein geäu­ßer­tem Unmut dar­über, dass man sich als Rad­fah­rer von Auto­fah­rern zu wenig wahr­ge­nom­men fühlt, über kon­kre­te Pro­ble­me mit der Rad­in­fra­struk­tur in bestimm­ten Stra­ßen bis hin zu Ideen, wo man ver­mut­lich unge­nutz­tes Stadt­ge­biet für den Rad­ver­kehr erschlie­ßen könnte.

Mit so einer Reso­nanz hatte ich ehr­lich gesagt nicht gerech­net, und ich hatte den Ein­druck, dass da doch ein nicht zu unter­schät­zen­der Wunsch in der rad­fah­ren­den Bevöl­ke­rung Hamelns vor­han­den ist, die Pro­ble­me, aber auch die Anre­gun­gen ein­fach mal los­zu­wer­den, die sich in der Zeit so ansam­meln.

Für mich ist das zunächst mal sehr erfreu­lich, bestä­tigt es doch meine Auf­fas­sung, dass viele Men­schen mit dem Rad fahren wollen, und wir über das Sta­di­um, in dem wir andere noch von den Vor­tei­len des Rad­fah­rens über­zeu­gen müssen, längst hinaus sind.

Auf der ande­ren Seite muss ich natür­lich bei den Anfra­gen­den immer um Geduld und Nach­sicht bitten, dass sich manche Pro­ble­me nicht von heute auf morgen aus der Welt schaf­fen und manche Anre­gun­gen nicht mal eben so schnell umset­zen lassen - und seien die Lösun­gen dafür auf den ersten Blick noch so ein­leuch­tend und kos­ten­güns­tig umzu­set­zen.

Wie das immer so ist, wenn man ein öffent­li­ches Gut gerecht ver­tei­len will: Es gibt immer ver­schie­de­ne Inter­es­sen und Ansich­ten dazu.

Hin und wieder geht es nicht ohne Kom­pro­mis­se, und irgend­wie muss das Ganze dann auch noch recht­lich sicher umge­setzt werden. Für die Abwä­gung von Inter­es­sen ist die Poli­tik zustän­dig, die Ver­wal­tung küm­mert sich um die Umset­zung der Maß­nah­men und die Ein­hal­tung der Rechts­nor­men, und am Ende muss auch noch der finan­zi­el­le Rahmen gewahrt werden.

Daran sind also immer viele ver­schie­de­ne Per­so­nen betei­ligt, und manch­mal muss man auch ziem­lich dicke Better bohren.

So kann ich jetzt schon abse­hen, dass ich wohl doch häu­fi­ger den Halb­satz »Ich kann nichts ver­spre­chen, aber…« ver­wen­den muss, als mir lieb ist.

Was ich jedoch ver­si­chern kann, ist, dass

  • ich mir jedes Anlie­gen auf­merk­sam anschaue,
  • ich mir, wann immer mög­lich, vor Ort ein Bild von der geschil­der­ten Situa­ti­on mache,
  • ich die Bespre­chun­gen mit Ver­wal­tung und Poli­tik dazu nutze, um die Ideen, Hin­wei­se und Anre­gun­gen vor­zu­brin­gen,
  • ich mich zurück­mel­de, falls das erfor­der­lich und erwünscht ist und
  • dass ich jede Anfra­ge auf Wunsch ver­trau­lich behand­le.

 

Ich lade Sie herz­lich ein, mich zu kon­tak­tie­ren, freue mich über alle Hin­wei­se, die dazu führen, den Rad­ver­kehr in Hameln noch kom­for­ta­bler und siche­rer zu machen und bin guter Dinge, dass uns das gemein­sam gelingt.